Der Standard, 30.6.2007

Journalismus kann schon zynisch sein: Tausende Schicksale werden täglich unter die Schreibtische gekehrt, damit genug Platz bleibt, kontinuierlich über das realitätsferne Nichtschicksal der abgehobenen Hotelerbin Paris Hilton zu berichten. Nein, keiner kann uns einreden, dass es ein prinzipielles öffentliches Interesse an dieser jungen Frau gibt, welches über das kindliche Bedürfnis hinausgeht, eine Barbie-Puppe immer neu zu stylen und einzukleiden.

Warum werden die Medienkonsumenten seit Wochen mit ihrem Gefängnisaufenthalt gequält? Warum muss sich die Weltöffentlichkeit ausgerechnet von Hilton, die an allen Härten des Daseins vorbeilebt, sagen lassen, dass die Haft "wie die Hölle" war?

Sicher, die Pressefreiheit ist schon eine tolle Errungenschaft. Aber könnte man nicht eine Ausnahme machen, nur eine einzige, winzige: weltweites Paris-Hilton-Zitierverbot. Bitte! Denn es gibt zurzeit wohl kein menschliches Lebewesen, das weniger weiß, wovon es spricht, und damit öfter und prominenter zu Wort kommt als sie.

(PS: Stimmt, ich bin auch nicht besser. Jetzt habe ich ihr doch glatt 50 Zeilen gewidmet. Entschuldigung, kommt nie wieder vor.)

Der Standard, 30.6.2007