Gurkerln nach Sydney
Ein heimischer Emigrant vermisst seit seiner Flucht nach Sydney (1939) zweierlei: Essig- und Senfgurken. Leserin Edith H. erzählt uns, dass ihr alter Freund in der Ferne schon sämtliche Rezepte ausprobiert habe, doch die Gurkerln schmeckten einfach nicht wie daheim.
Nun rief sie bei der Firma Staud an, um sich zu erkundigen, ob diese ihre Delikatessen auch nach Australien liefern. Eine ungewöhnlich freundliche Angestellte teilte ihr mit, dass das leider nicht der Fall sei. Und was es kosten würde, schickte sie drei Gläser ans andere Ende der Welt? Das war mehr laut gedacht als gefragt. Wie soll Staud das wissen?
Zu ihrer Überraschung erwiderte die Mitarbeiterin: "Wir erkundigen uns und melden uns." Tatsächlich kam wenig später der Anruf mit allen Informationen: Preis für einen Botendienst, Preis bei Postaufgabe. Die Kundin könne die Gläser in zwei Tagen abholen, sie solle das Grußkärtchen nicht vergessen. Dann werde verpackt - und ab nach Sydney. So geschah es. Kaufpreis der Gurken: 5,80 Euro (Verpackung, Recherche, Telefonate gratis).
"Mein Glaube an die Wertschätzung des Kunden ist wieder hergestellt", teilt uns Edith H. erfreut mit. Wenn das keine Neujahrsbotschaft war!
DER STANDARD; Printausgabe, 31.12.2007